
Eben war die Welt noch in Ordnung und jetzt hältst du die Kündigung in der Hand. Eigentlich gewohnt, klar zu denken und rational zu entscheiden, stehst du da und weißt nicht, wo oben und unten ist. Und schon gar nicht, was du jetzt als erstes tun sollst. Oder auf keinen Fall tun darfst. Es steht immerhin einiges auf dem Spiel: Karriere, Finanzen – und dein Selbstbild.
Jetzt die Nerven zu behalten ist schon mal ein Schritt in die richtige Richtung.
In diesem Blogartikel erfährst du, was sonst noch wichtig ist, um möglichst gut durch die nächste Zeit zu kommen.
Das Wichtigste auf einen Blick:
• In den ersten Tagen geht es um formale Sicherheiten und klare nächste Schritte
• Du musst noch keine Bewerbungen schreiben und keine Karriereentscheidung treffen
• Es ist normal, wenn deine Gefühlswelt Kopf steht: Eine Kündigung betrifft deine Rolle, Identität und Zugehörigkeit
• Typische Denkfallen wie Statusdruck oder Kränkung können deine Entscheidungen unbewusst beeinflussen
• Wenn du diese Dynamiken erkennst, erhöht es deine Chance, die nächste Karriereentscheidung für dich passend zu treffen
Inhalt
Die ersten Tage nach der Kündigung: Dein Notfallset!
So eine Kündigung ist erst mal ein Schock. Da trifft man leicht Entscheidungen, die man später bereut. Oder verpasst Fristen. Damit dir das nicht passiert, zeige ich dir, welche Punkte jetzt am dringendsten sind.
Die gute Nachricht: An Bewerbungen brauchst du erst mal nicht zu denken.
Die zweite gute Nachricht: Was zu tun zu haben, kann dich aus der Schockstarre holen.
Die dritte gute Nachricht: Nicht alles muss sofort geregelt werden.
Das ist übrigens keine Rechtsberatung 😉
Los geht’s mit den 3 eiligsten To-Dos:
Das Wichtigste:
1. Prüfe Fristen, Ansprüche und ggf. eine Rechtsberatung
2. Unterschreib nichts, ohne es zu vorher zu überprüfen
3. Hol dir alle Infos ein, damit du einen Überblick bekommst
1. Welche Fristen und formale Punkte jetzt zu beachten sind:
Oberste Priorität sollten die Meldungen bei der Bundesagentur für Arbeit haben. Es gibt die Möglichkeit sich arbeitssuchend und arbeitslos zu melden. Die werden schnell verwechselt.
Auf zum neuen Job: Melde dich arbeitssuchend
Die Bundesagentur für Arbeit unterstützt dich bei der Suche. Damit soll vermieden werden, dass du arbeitslos wirst. Melde dich hier arbeitssuchend. Die haben immer die aktuellsten Fristen.
Das liebe Geld: Arbeitslosengeld sichern
Nicht immer klappt es gleich mit einem neuen Job. Melde dich spätestens am ersten Tag der Arbeitslosigkeit. Damit sicherst du dir deinen Anspruch auf finanzielle Unterstützung. Beachte aber, dass du dich davor schon arbeitssuchend gemeldet hast. Melde dich hier arbeitslos.
Worauf du noch achten solltest
- Lass dich juristisch beraten, falls du über eine Klage nachdenkst. Das sollte innerhalb von 3 Wochen nach Zugang der schriftlichen Kündigung erfolgen. Deine genauen Möglichkeiten und die Fristen erfährst du im Kündigungsschutzgesetz
- Sprich mit dem Betriebsrat, falls es einen gibt: er muss vor jeder Kündigung angehört werden, damit die Kündigung wirksam ist
- Schreibe das Beendigungsdatum auf, vielleicht brauchst du das noch
- Kläre, ob es weitere relevante Fristen gibt, z.B. in deinem Arbeitsvertrag
- Überprüfe dein Arbeitszeugnis möglichst zeitnah und lass dich bei Unklarheiten rechtlich beraten
- Kläre den Umgang mit Resturlaub, Überstunden und möglicher Freistellung
- Sonstige Ansprüche prüfen
- Sichere wichtige Unterlagen, z.B. als Beweis oder weil sie für deinen weiteren Weg wichtig sein könnten
2. Unterschreibe nichts – zumindest bis du es geprüft hast
- Sag nichts voreilig zu
- Den Empfang der Kündigung nicht vorschnell bestätigen
- Zusatzvereinbarungen erst prüfen
- Auch hier kann der Betriebsrat helfen
3. Was du sonst noch nach der Kündigung tun kannst
- Ein schriftlicher Fahrplan hilft, damit du nichts vergisst
- Rede mit Menschen deines Vertrauens in der Firma, um die Lage besser einordnen zu können – aber überlege gut, was du mit wem teilen möchtest
- Haltung bewahren. Ernsthaft?
Dass du wütend oder enttäuscht bist, ist verständlich. Und ausgerechnet jetzt sollst du sachlich bleiben? Haltung wahren? Zugegeben, das kostet Kraft. Aber behalte im Hinterkopf: Man kann auch freundlich vors Arbeitsgericht ziehen, wenn es nötig ist. Damit schützt du deinen Ruf und deine weitere Karriere.
Kündigung: Was tun, wenn mehr als nur die Arbeitsstelle wegbricht?
Eine Kündigung verändert mehr als deine Arbeitsstelle: Sie macht was mit dir und deinem Selbstbild.
Vielleicht hast du es gut geschafft, Haltung zu wahren und wirkst nach außen gefasst. Du regelst alles, führst sachliche Gespräche und funktionierst wie immer. In dir sieht es aber ganz anders aus.
Es endet eben mehr als nur ein Job. Du verlierst deinen Einfluss, ein Stück Status und Sicherheit und die Zugehörigkeit zur Gemeinschaft.
Kurz gesagt: Es endet ein Teil des Alltags, mit dem du dich identifiziert hast. Endlose Gedankenschleifen, Vergleiche mit Kolleginnen oder wechselnde Gefühle sind normale Reaktionen darauf. Die neue Situation bringt viel in Bewegung, auch innerlich. Selbst wenn du eine goldene Abfindung bekommst, fühlt sich so eine Kündigung oft nicht gut an.
Im Moment kannst du nicht viel dagegen tun. Es geht erst mal nur darum, die Gedanken wahrzunehmen und Gefühle auszuhalten.
Als Führungskraft verlierst du noch mehr
Mit einer Kündigung endet ein oft über Jahre aufgebautes, funktionierendes System. Eingespielte Abläufe, Informationswege – das ganze Konstrukt, auf dem dein Job überhaupt laufen konnte. Für Frauen kommt allein wegen ihres Geschlechts noch eine Schippe drauf.
Das alles schmerzt. Trotzdem lohnt es sich, genauer hinzuschauen, wovon du dich – leider – verabschieden musst.
Es ist der Verlust
• deiner Führungsrolle
• deines Gestaltungsspielraums
• der Verantwortung für ein Team und Projekte
• des Vertrauens im Team
Beim nächsten Job musst du das meiste davon wieder neu aufbauen.
Für viele Frauen ist die Kündigung selbst dann eine Katastrophe, wenn sie direkt in den nächsten Job wechseln könnten. Für sie ist eine Kündigung noch einschneidender.
Als Frau in Führung akzeptiert zu werden, sich gegen männliche Kollegen durchzusetzen, ernst genommen zu werden, erfordert viel Kraft. Dazu kommt der Gender-Pay-Gap: Schon die Gehaltsverhandlungen gegen diese strukturelle Lücke kosten Energie und Nerven. Von der Angst davor, nicht mehr in die gleiche Führungsebene zu kommen, fange ich gar nicht erst an. Wie die KfW am 8.3.25 schrieb, sind im Mittelstand zuletzt sogar wieder weniger Führungspositionen mit Frauen besetzt worden.
Das ist viel auf einmal zu verkraften. Obwohl es dich zu Recht aufregt, hilft Akzeptanz dir, dich zu fokussieren. Fürs Erste.
Warum es für eine Karriereentscheidung immer noch zu früh ist
Du hast ganz schön zu tun mit den formalen Schritten. Die Aktionen haben dich vielleicht abgelenkt. Eventuell rotieren deine Gedanken. Oder du fühlst dich leer. Dein Kopf braucht jetzt Zeit, mit den Entwicklungen klarzukommen.
Vielleicht bist du gedanklich damit beschäftigt, zurückzuschauen und die Situation zu analysieren:
„Warum wurde mir gekündigt, obwohl ich immer positives Feedback bekommen habe?“
„Kollege X hat mich gelinkt, das lasse ich mir nicht bieten!“
„Wie können die mich nach so vielen Jahren einfach rausschmeißen?“
Und gleichzeitig kommen die Zukunftsfragen:
„Wie geht es jetzt weiter?“
„Kann ich weiter führen?“
„Wechsle ich die Branche?“
Dein Denken ist außer Kontrolle geraten, du bist gestresst und schläfst miserabel. Oder du kannst nichts mehr denken oder fühlen. Oder du fühlst zu viel und gehst bei Kleinigkeiten an die Decke. Jeder Mensch reagiert anders auf Ausnahmesituationen.
Übrigens: Es ist auch normal, zwischendurch Erleichterung zu spüren.
Was für alle gilt: Stress engt den Blick nach vorne ein. Über neue Jobmöglichkeiten realistisch nachzudenken, dürfte in dieser Phase schwierig sein.
3 Tipps, wie du trotzdem nach vorne schauen kannst:
Entspannung entlastet dein Gehirn. Lege ganz bewusst Entspannungspausen ein.
Hier meine Tipps:
1. Gute Gedanken – schlechte Gedanken
Geh raus, damit du mal was anderes siehst. Brauchbare Ideen zu Zukunftsfragen kommen im Café mit der besten Freundin, bei einer Wanderung durch den Schwarzwald oder abends unter der Dusche.
2. Weg mit dem Ballast
Mach dir klar, was jetzt noch nicht dran ist.
Als Unterstützung habe ich eine kleine Not-To-Do-Liste für dich:
- Branchenwechsel überlegen
- Stellenangebote durchforsten
- Bewerbungen schreiben
- neues Netzwerk aufbauen
- Karriereentscheidungen treffen
- Zukunftsängste entwickeln
Schreib deine Grübelfragen auf einen Zettel, ergänze deine eigenen Punkte und lege die Liste ganz weit weg. So lange, bis du bereit bist, Stellenangebote zu durchforsten.
3. Alltag reduzieren
Um Kraft zu sparen und bis zum letzten Tag bei der Arbeit durchzuhalten.
Beispiele:
• Routinen vereinfachen
• Private To-Dos abspecken
• Termine reduzieren – privat und beruflich
• Im Job das Nötigste erledigen – mehr aber auch nicht
• Pragmatische Lösungen für den Alltag
5 typische Denkfallen bei der Jobsuche und was du dagegen tun kannst
Nach einer Kündigung willst du verständlicherweise schnell wieder Boden unter die Füße bekommen. Deine Gefühle und Gedanken sind vielleicht dein Motor, der dich vorwärts bringt.
Vorsicht bei Denkfallen, die dich in einen Job führen, der wieder nichts für dich ist oder in dem du dich nicht wohlfühlst.
Ich habe die typischsten Denkfallen für dich zusammengefasst und was dagegen hilft:
Denkfalle 1: Möglichst schnell wieder auf dem gleichen Level einsteigen
Was dahinter steckt
Angst vor Status und Bedeutungsverlust
Woran du sie erkennst
Stellenangebot vor allem nach Titel und Gehalt durchscrollen.
Was du dagegen tun kannst
Schau dir die Aufgabenbeschreibung neuer Jobs genau an. Frag dich ehrlich, ob dich der Inhalt reizt – oder ob es vor allem um Rang und Gehalt geht.
Denkfalle 2:
„Die werden schon sehen, was sie davon haben“
Was dahinter steckt
Kränkung
Woran du sie erkennst
Vorrangig nach dem Karriereschritt auszuwählen, der nach dem alten Job dran gewesen wäre.
Was du dagegen tun kannst
Triff deine nächste Entscheidung für dich. Nicht als Antwort darauf, was passiert ist.
Denkfalle 3: Dich kleiner einschätzen als früher
Was dahinter steckt
Verunsicherung
Woran du sie erkennst
Zweifeln, ob du das neue Aufgabenfeld schaffst oder gleich einen Rang unterhalb des alten Jobs zu suchen.
Was du dagegen tun kannst
Lass dir deine Stärken und Erfolge von jemandem auflisten, der deine Arbeit kennt.
Denkfalle 4: „Einfach machen, nicht lange fackeln, ist doch alles nicht so schlimm“
Was dahinter steckt
Der Wunsch, schnell wieder Kontrolle zu haben.
Woran du sie erkennst
Gefühle wegdrücken, um vermeintlich handlungsfähig zu bleiben.
Was du dagegen tun kannst
Kläre für dich, was du diesmal anders haben möchtest oder was die Mindestanforderungen an den Job sein müssen, bevor du Bewerbungen abschickst.
Denkfalle 5: Im vertrauten Rahmen bleiben
Was dahinter steckt
Sicherheitsbedürfnis
Woran du sie erkennst
Den Stellenmarkt nach den gleichen Jobs wie den alten durchforsten.
Was du dagegen tun kannst
Schau dir ganz bewusst Optionen an, die bisher nicht auf deinem Schirm waren.
Wie du deine Gedanken ordnest, um den Job zu finden, der zu dir passt – Mein persönlicher Tipp:
Bevor du dich in den Bewerbungsmarathon stürzt, ist es gut zu wissen, was du wirklich willst – oder nicht willst. Ein ehrlicher Blick auf dich selbst verhindert, dass du dir etwas vormachst. Hier zeige ich dir eine Übung aus meinen Kursen, die in wenigen Minuten überraschende Gedanken hervorbringen kann.
Du hast eventuell unzählige Listen geschrieben: Stärken, Schwächen, To-Dos, Not-to-Dos usw. Es gibt aber noch eine andere Art zu Schreiben, die dich nach vorne boostern kann.
Bestimmte Schreibtechniken aktivieren einen anderen Zugang zu deiner Situation, so dass du einen erweiterten Blick darauf werfen kannst. Du brauchst nicht mal schreiben zu können. Hauptsache, du kannst es nachher noch lesen 😉
Für die 15-minütige Übung nutze ich die Technik Écriture Automatique, auch als Freewriting bekannt.
Du brauchst:
• Papier
• leicht schreibender Stift
• verschiedene Textmarker
• einen Timer
1. Teil: 10 Minuten schreiben ohne Pause
Das Besondere an dieser Übung ist, dass du deine Gedanken „sichtbar“ machst. Deshalb ist es wichtig, dass du zehn Minuten lang einfach deine Gedanken am Stück aufschreibst. Und dass du nicht lange darüber nachdenkst, was du schreiben sollst. Keine Angst, ich gebe dir gleich noch ein paar Inspirationen
Falls dir trotzdem nichts einfällt, dann schreibe zum Beispiel: „Mein Kopf ist leer, mein Kopf ist leer, mein …“ Ich bin sicher, nach drei- oder viermal fällt dir etwas ein.
Inspiration, worüber du schreiben kannst:
- wahllose Gedanken
- Ärger
- finanzielle Sorgen
- offene Fragen
- Zweifel
- Erleichterung
- Wünsche für den neuen Job
- Befürchtungen
- ehrlicher Blick auf dich
Beginne mit folgendem Satz: „Was ich im neuen Job auf keinen Fall mehr möchte, ist …“
2. Teil: 5 Minuten, um Zusammenhänge oder Muster zu finden
Lies deinen Text durch und markiere Stellen, die dich anspringen. Wenn du mit Farben arbeitest, kannst du schneller erkennen, was zusammengehört.
Beispiele:
• Rot für No-Gos
• Grün für das, was du im neuen Job wiederhaben willst
• Gelb für neue Erkenntnisse
• Blau könnte für Rahmenbedingungen wie Arbeitszeit oder Fahrtweg stehen.
Liste die Stellen nach Farben untereinander auf, damit du Zusammenhänge oder Muster auf einen Blick erkennen kannst.
Viel Spaß beim Schreiben und lass dich überraschen, welche Gedanken dabei hochkommen!
FAQ – Häufige Fragen
Wie schnell muss ich mich nach einer Kündigung bei der Bundesagentur für Arbeit melden?
Wenn du dich arbeitssuchend meldest: spätestens 3 Monate vor Ende des Arbeitsverhältnisses. Wenn du vom Ende des Arbeitsverhältnisses weniger als 3 Monate erfährst, musst du dich innerhalb von 3 Tagen arbeitssuchend melden.
Wenn du dich arbeitslos meldest: spätestens am ersten Tag der Arbeitslosigkeit. Frühestens 3 Monate davor.
Muss ich sofort anfangen, Bewerbungen zu schreiben?
Nein. Zuerst klärst du Fristen und Unterlagen. Danach entscheidest du, wie es weitergeht.
Sollte ich gegen die Kündigung klagen?
Das hängt von deiner Situation ab. Eine rechtliche Prüfung kann sinnvoll sein, um deine Optionen zu kennen. Lass dich juristisch beraten, falls du das in Erwägung ziehst und denke an die Frist von 3 Wochen nach Zugang der schriftlichen Kündigung.
Ist es normal, wenn meine Gefühle hin- und herspringen?
Ja. Eine Kündigung betrifft mehr als einen Aufgabenbereich. Unterschiedliche, auch widersprüchliche Gefühle sind häufig Teil dieser Phase.
Was bringt mir die Schreibübung konkret?
Schreiben aktiviert oft andere Gedanken als reines Nachdenken. Nicht selten Gedanken, von denen du vorher nichts wusstest. Du kannst sie durch Schreiben „sichtbar“ machen. Das hilft dir, dich selbst besser zu erfassen.

Über die Autorin
Chris Roth lehrt seit 5 Jahren Kreatives und reflektiertes Schreiben am Karlsruher Institut für Technologie (KIT).
Auf diesem Blog erklärt sie, warum Schreiben eine effektive Methode ist, die innere Stimme zu stärken und bei wichtigen beruflichen Entscheidungen Orientierung zu geben.
Mehr über mich erfährst du hier bald